Ein Tischler arbeitet mit seinem Tischlerwerkzeug an Holzlatten und Holzspäne fällt dabei auf den Boden.

Von der Azubine zur Ausbilderin im Bereich Tischler – Annas Erfolgsgeschichte

3. November 2026

Anna hat von 2021-2024 ihre Ausbildung zur Tischlerin bei Euro-Train Berlin (Primus Bildungscentren GmbH) im Rahmen des Berliner Ausbildungsplatzprogramms (BAPP) absolviert und arbeitet seit Sommer 2025 bei uns als Ausbilderin im Bereich Tischler (Erstausbildung sowie Umschulungen).  

Im Interview schildert sie unter anderem was sie dazu bewegt hat, den Beruf der Tischlerin zu erlernen, was die größten Herausforderungen während der Ausbildung waren, und wie sie geschafft hat, diese zu meistern sowie was sie besonders an Euro- Train schätzt. 

Viel Spaß beim Lesen! 

I. Einstieg & persönliche Motivation

1. Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, den Beruf der Tischlerin zu erlernen?

„Nach meinem Fachabitur habe ich ein FSJ bei einem Möbelrestaurator hier in Berlin gemacht. Dort haben wir an sehr alten Stücken gearbeitet, zum Beispiel an Antiquitäten. Das hat mir so gut gefallen, dass ich wusste: Das möchte ich unbedingt machen. Ich habe schon immer gern gebastelt – auch wenn das ein typischer Satz ist. Aber das FSJ hat damals wirklich viel in mir bewegt.“

2. Warum hast du dich für das BAPP-Programm (Berliner Ausbildungsplatzprogramm) entschieden?

„Ich hatte mich bei vielen Betrieben beworben, aber teilweise keine Rückmeldungen erhalten. Deshalb habe ich mich als ausbildungsplatzsuchend gemeldet. Darüber wurde mir die Ausbildung bei Euro-Train vorgeschlagen. Von allen Optionen war das für mich die beste – und ich habe es von Anfang an sehr genossen, hier zu sein.“

II. Ausbildung & Herausforderungen

3. Wie hast du deine Ausbildungszeit von 2021 bis 2024 erlebt?

„Es gab natürlich Höhen und Tiefen. Im zweiten Jahr ging es – wie bei vielen Auszubildenden – etwas bergab. Insgesamt war es aber eine sehr angenehme und bereichernde Zeit. Man bekommt die Möglichkeit, sich auszuprobieren und unglaublich viel Neues zu lernen – das habe ich sehr geschätzt.“

4. Was waren die größten Herausforderungen während deiner Ausbildung – und wie hast du sie gemeistert?

„Ich habe relativ jung angefangen, bin allein in eine neue Stadt gezogen und war plötzlich im Berufsleben. Jeden Morgen um 7 Uhr da zu sein und acht bis neun Stunden zu arbeiten – das war eine große Umstellung. Außerdem war es für mich als Frau eine Herausforderung, mich in der männerdominierten Handwerkswelt zurechtzufinden. Mit Durchhaltevermögen und Unterstützung im beruflichen sowie privaten Umfeld geling es mir diese Herausforderung zu meistern – letztlich überzeugt Leistung. “

5. Gab es ein Projekt oder Werkstück, auf das du besonders stolz bist?

„Mein Gesellenstück ist natürlich mein absolutes Highlight. Aber auch viele andere – kleinere und größere – Projekte, die ich umsetzen durfte, bedeuten mir viel. Sie haben mich fachlich und persönlich weitergebracht, und ich präsentiere sie bis heute mit Stolz.“

6. Welche Fähigkeiten oder Erkenntnisse aus der Ausbildung prägen dich bis heute am meisten?

„Vor allem, dass mir bei Euro-Train der Raum gegeben wurde, mich auszuprobieren, Neues zu lernen und auch zu scheitern. Das wurde hier nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gefördert.“

III. Entwicklung & Erfolgsgeschichte

7. Gab es Menschen oder Momente, die dich besonders geprägt oder unterstützt haben?

„Ein Meister, welcher im Mai 2026 nach 30 Jahren bei Euro-Train in Rente gegangen ist, hat mich besonders geprägt. Er hat mich stark gefördert und inspiriert. Auch meine Mitschüler*innen aus der Berufsschule und meine Mitazubis bei Euro-Train waren sehr wichtig für mich. Es war eine tolle Gemeinschaft, die sich mit der Zeit fast wie eine Familie angefühlt hat.“

8. Was schätzt du besonders an Euro-Train?

„Den Freiraum, den man hier bekommt: um Neues zu lernen, sich auszuprobieren und die eigenen Fähigkeiten besser einschätzen zu können. Man darf auch Fehler machen – und gleichzeitig entstehen richtig gute Ergebnisse.“

IV. Rollenwechsel zur Ausbilderin

9. Wie hat sich der Übergang von der Auszubildenden zur Ausbilderin für dich angefühlt?

„Am Anfang war es ein ungewohntes Gefühl. Zum Glück habe ich nach meiner Ausbildung ein Jahr in der Bautischlerei gearbeitet und hatte so etwas Abstand. Schon gegen Ende meiner Lehrzeit war ich oft Ansprechpartnerin für die jüngeren Jahrgänge. Für meine Kolleg*innen, die mich noch als Azubi kannten, war es natürlich auch eine Umstellung. Aber ich finde, wir haben das gemeinsam sehr gut gemeistert und arbeiten heute Hand in Hand.“

10. Wie würdest du deinen eigenen Ausbildungsstil beschreiben?

„Ich begegne den Azubis auf Augenhöhe. Da ich altersmäßig noch nah an ihnen dran bin, kann ich mich gut in ihre Situation hineinversetzen. Dafür habe ich auch schon sehr positives Feedback bekommen. Der Umgang ist fachlich fundiert und unterstützend, aber gleichzeitig kollegial.“

V. Blick in die Zukunft

11. Welche Ziele hast du als Ausbilderin in den nächsten Jahren?

„Ich möchte die Auszubildenden weiterhin so unterstützen, dass sie hier einen Ort haben, an dem sie ihre Projekte und Talente entfalten können – eine Art Rückzugs- und Entwicklungsraum. Außerdem ist es mir wichtig, dass das Handwerk nicht als ‚rau‘ wahrgenommen wird, sondern als etwas, das Freude macht und zu dem man gerne kommt.“

12. Wie siehst du die Zukunft des Tischlerhandwerks – und welche Rolle möchtest du dabei spielen?

„Ich sehe großes Potenzial. Natürlich gibt es Betriebe, die immer das Gleiche machen, aber in der Berufsschule erlebte ich eine unglaublich vielfältige und kreative Gruppe von Menschen mit vielen Ideen. Das begeisterte mich sehr – und ich möchte sie dabei unterstützen, dieses Potenzial bestmöglich zu entfalten.“

 

Das Interview führte: Jill Semidei
Interviewpartnerin: Anna
Beitragsbild: shutterstock/alexkich

Geschlechtergerechtigkeit gehört zu den Grundsätzen unseres Unternehmens. Sprachliche Gleichbehandlung ist dabei ein wesentliches Merkmal. Für den diskriminierungsfreien Sprachgebrauch verwenden wir in Texten den Gender Star bei allen personenbezogenen Bezeichnungen, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzuschließen. Versehentliche Abweichungen enthalten keine Diskriminierungsabsicht.
Ein Tischler arbeitet mit seinem Tischlerwerkzeug an Holzlatten und Holzspäne fällt dabei auf den Boden.